Wärmepumpe Stromverbrauch pro Tag im Winter: Reale Zahlen & Beispiele
Kosten & Betrieb7 min

Wärmepumpe Stromverbrauch pro Tag im Winter: Reale Zahlen & Beispiele

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe pro Tag im Winter? Wir zeigen reale Messwerte bei verschiedenen Temperaturen und rechnen konkrete Beispiele durch.

Elias Morgenfelder
Elias Morgenfelder
30. Januar 2026

Was passiert mit meiner Stromrechnung, wenn es richtig kalt wird? Diese Frage beschäftigt viele Wärmepumpen-Interessenten. Die Sorge ist verständlich: Im Winter, wenn am meisten geheizt wird, muss die Wärmepumpe gegen niedrige Außentemperaturen arbeiten. In diesem Artikel zeigen wir dir anhand realer Messwerte, was eine Wärmepumpe bei verschiedenen Temperaturen verbraucht - und warum du dir keine Sorgen machen musst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei 0°C: ca. 20-30 kWh Tagesverbrauch für ein typisches 150m² Einfamilienhaus
  • Bei -5°C: ca. 30-50 kWh Tagesverbrauch
  • Bei -10°C und kälter: ca. 50-70 kWh Tagesverbrauch
  • Der Heizstab macht laut Fraunhofer-Feldtest nur 1-2% des Jahresverbrauchs aus
  • In NRW sind extreme Kälteperioden (unter -10°C) selten und kurz
  • Selbst an kalten Tagen arbeitet die Wärmepumpe effizienter als Öl oder Gas

Tagesverbrauch nach Außentemperatur

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe steigt mit sinkender Außentemperatur - das ist physikalisch unvermeidbar. Je größer die Temperaturdifferenz zwischen Außenluft und gewünschter Heiztemperatur, desto mehr muss der Kompressor arbeiten.

Die folgenden Werte basieren auf Messungen an typischen Einfamilienhäusern (ca. 150m², Baujahr 1980-2000, teilsaniert) mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Dein konkreter Verbrauch hängt von Hausgröße, Dämmstandard und Wärmepumpen-Effizienz ab.

AußentemperaturTagesverbrauchStromkosten/Tag (27 Ct/kWh)Typische Situation
+10°C8-15 kWh2-4€Milder Herbst/Frühjahr
+5°C15-25 kWh4-7€Übergangszeit
0°C20-30 kWh5-8€Leichter Frost
-5°C30-50 kWh8-14€Kalter Wintertag
-10°C50-70 kWh14-19€Strenger Frost
-15°C65-90 kWh18-24€Sehr selten in NRW

Faustregel: Pro 5°C Temperaturabsenkung steigt der Tagesverbrauch um etwa 30-50%. Bei -5°C verbraucht die Wärmepumpe etwa doppelt so viel wie bei +5°C.

Warum der Verbrauch bei Kälte steigt

Zwei Effekte treiben den Verbrauch bei niedrigen Temperaturen nach oben: Erstens muss mehr geheizt werden, weil das Haus mehr Wärme verliert. Zweitens sinkt die Effizienz (der COP) der Wärmepumpe, weil sie gegen einen größeren Temperaturunterschied arbeiten muss.

Bei +7°C Außentemperatur erreicht eine gute Luft-Wärmepumpe einen COP von 4,5 - aus 1 kWh Strom werden 4,5 kWh Wärme. Bei -7°C sinkt der COP auf etwa 2,8 - aus 1 kWh Strom werden nur noch 2,8 kWh Wärme. Das ist immer noch besser als jede Verbrennung (Wirkungsgrad max. 1,0), aber der Unterschied erklärt den höheren Verbrauch.

Was ist mit dem Heizstab?

Viele Wärmepumpen haben einen elektrischen Heizstab als Backup für extreme Kälte. Dieser arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 1:1 - aus 1 kWh Strom wird 1 kWh Wärme. Das ist deutlich ineffizienter als die Wärmepumpe selbst.

Die gute Nachricht: Der Heizstab wird viel seltener gebraucht als oft befürchtet. Die Fraunhofer-Feldmessungen an realen Anlagen zeigen: Im Jahresdurchschnitt macht der Heizstab nur etwa 1-2% des Stromverbrauchs aus. Moderne Wärmepumpen kommen bis -10°C oder sogar -15°C ohne Heizstab aus.

Im Realbetrieb machen elektrische Heizstäbe nur etwa 1-2% des Jahresstromverbrauchs aus. Moderne Wärmepumpen arbeiten auch bei -10°C effizient ohne Heizstab-Unterstützung.

Fraunhofer ISE Feldtest

Der Heizstab springt typischerweise in zwei Situationen ein: Bei extremer Kälte (unter -10°C bis -15°C, je nach Gerät) und für die Legionellenschaltung - das kurzzeitige Aufheizen des Warmwassers auf 60°C zur Desinfektion.

Praxisbeispiel: Ein Winter in NRW

Wie verteilt sich der Verbrauch über einen typischen Winter in NRW? Wir rechnen mit einem durchschnittlichen Einfamilienhaus (150m², 20.000 kWh Jahreswärmebedarf) und den typischen Temperaturen in der Region.

TemperaturbereichAnzahl Tage (Nov-März)Ø Verbrauch/TagVerbrauch gesamt
Über +5°C35 Tage18 kWh630 kWh
0 bis +5°C40 Tage25 kWh1.000 kWh
-5 bis 0°C25 Tage38 kWh950 kWh
-10 bis -5°C8 Tage55 kWh440 kWh
Unter -10°C2 Tage75 kWh150 kWh
Winter gesamt110 Tage-ca. 3.170 kWh

Bei 27 Ct/kWh sind das etwa 855€ Stromkosten für den gesamten Winter (November bis März). Zum Vergleich: Eine Ölheizung würde für dieselbe Wärme etwa 1.100 Liter Öl verbrauchen - Kosten etwa 1.300€ plus CO₂-Abgabe.

Du siehst: Die wenigen sehr kalten Tage (unter -10°C) machen nur etwa 5% des Winterverbrauchs aus. Der Großteil des Stroms fließt an den vielen mäßig kalten Tagen, an denen die Wärmepumpe sehr effizient arbeitet.

Vergleich: Wärmepumpe vs. Öl an kalten Tagen

Selbst an sehr kalten Tagen mit niedrigem COP ist die Wärmepumpe effizienter als eine Ölheizung. Ein Beispiel: Bei -7°C hat die Wärmepumpe einen COP von etwa 2,8. Für 100 kWh Wärme braucht sie 36 kWh Strom (ca. 10€). Eine Ölheizung braucht für 100 kWh Wärme etwa 10 Liter Öl (ca. 12€ plus CO₂-Abgabe).

Erst bei einem COP unter 1,0 wäre die Wärmepumpe ineffizienter als Öl - und das erreicht sie selbst bei -20°C nicht.

Tipps für kalte Tage

  • Vorlauftemperatur nicht unnötig hochdrehen - das senkt die Effizienz dramatisch
  • Nachtabsenkung maßvoll nutzen (max. 2-3°C weniger) - starkes Aufheizen am Morgen ist ineffizient
  • Bei Schneefall das Außengerät freihalten - der Luftstrom muss gewährleistet sein
  • Günstigen Wärmepumpentarif nutzen - spart 10-15% gegenüber normalem Haushaltsstrom
  • Optional: Große Verbraucher (Waschmaschine, Spülmaschine) tagsüber laufen lassen, wenn PV-Strom verfügbar ist

Fazit: Kein Grund zur Sorge

Ja, eine Wärmepumpe verbraucht an kalten Tagen mehr Strom als an warmen. Das ist physikalisch unvermeidbar. Aber selbst bei -10°C arbeitet sie noch effizienter als jede Verbrennung. In NRW sind extreme Kälteperioden selten und kurz - die wenigen sehr kalten Tage machen nur einen kleinen Teil der Heizkosten aus.

Mit typischen Winterstromkosten von 800-1.200€ für ein Einfamilienhaus sparst du gegenüber Öl oder Gas auch im kalten Winter. Die Wärmepumpe ist und bleibt die wirtschaftlichste und umweltfreundlichste Heizung - bei jedem Wetter.

Elias Morgenfelder

Geschrieben von

Elias Morgenfelder

Heizungsbaumeister & Wärmepumpen-Spezialistüber 12 Jahre Erfahrung

Heizungsbaumeister mit über 12 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Installation. Spezialist für Wärmepumpen im Altbau und Förderberatung in NRW.

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