Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe? Diese Frage beschäftigt jeden, der über den Umstieg nachdenkt. Die gute Nachricht vorweg: Trotz des Stromverbrauchs sind die Heizkosten einer Wärmepumpe deutlich niedriger als bei Gas oder Öl. Denn die Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom etwa 3-5 kWh Wärme. In diesem Ratgeber zeigen wir dir anhand realer Zahlen, was dich der Betrieb einer Wärmepumpe kostet und wie du den Verbrauch optimieren kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Typischer Jahresverbrauch: 4.000-6.000 kWh Strom für ein 150m² Einfamilienhaus
- Stromkosten: ca. 1.100-1.800€ pro Jahr (bei 27 Ct/kWh Wärmepumpentarif)
- Das sind etwa 40-50% weniger als bei einer vergleichbaren Gas- oder Ölheizung
- Die Jahresarbeitszahl (JAZ) bestimmt den Verbrauch maßgeblich - höhere JAZ = weniger Strom
- Mit PV-Anlage und Wärmepumpentarif lassen sich die Kosten weiter senken
So berechnest du den Stromverbrauch deiner Wärmepumpe
Die Berechnung ist einfach: Du teilst deinen jährlichen Wärmebedarf durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe. Der Wärmebedarf entspricht etwa dem, was du bisher an Gas oder Öl verbraucht hast.
Formel: Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ. Beispiel: Ein Haus mit 20.000 kWh Wärmebedarf und einer Wärmepumpe mit JAZ 4,0 verbraucht: 20.000 ÷ 4 = 5.000 kWh Strom pro Jahr.
Falls du deinen Wärmebedarf nicht kennst: Bei Gas entspricht 1 m³ etwa 10 kWh, bei Öl liefert 1 Liter etwa 10 kWh Wärme. Wenn du also 2.000 Liter Öl pro Jahr verbrauchst, liegt dein Wärmebedarf bei etwa 20.000 kWh.
Verbrauch nach Hausgröße und Dämmstandard
Der Stromverbrauch hängt stark vom Wärmebedarf deines Hauses ab. Ein gut gedämmter Neubau braucht deutlich weniger als ein unsanierter Altbau. Die folgende Tabelle zeigt realistische Werte für verschiedene Haustypen.
| Haustyp | Wärmebedarf/Jahr | Stromverbrauch (JAZ 3,5) | Stromverbrauch (JAZ 4,5) | Stromkosten (27 Ct) |
|---|---|---|---|---|
| Neubau 120m² (KfW 55) | 9.000 kWh | 2.570 kWh | 2.000 kWh | 540-695€ |
| Neubau 150m² | 12.000 kWh | 3.430 kWh | 2.670 kWh | 720-925€ |
| Sanierter Altbau 150m² | 18.000 kWh | 5.140 kWh | 4.000 kWh | 1.080-1.390€ |
| Teilsanierter Altbau 150m² | 22.000 kWh | 6.290 kWh | 4.890 kWh | 1.320-1.700€ |
| Unsanierter Altbau 150m² | 28.000 kWh | 8.000 kWh | 6.220 kWh | 1.680-2.160€ |
Du siehst: Die Spanne ist erheblich. Ein Neubau mit guter Wärmepumpe kommt mit 2.000 kWh aus, ein unsanierter Altbau braucht das Vierfache. Deshalb ist die energetische Qualität deines Hauses so wichtig für die Wirtschaftlichkeit.
Vergleich: Wärmepumpe vs. Gas vs. Öl
Die entscheidende Frage: Ist die Wärmepumpe trotz Stromverbrauch günstiger als Gas oder Öl? Die Antwort ist eindeutig ja - und der Abstand wird durch steigende CO₂-Preise jedes Jahr größer.
Wir rechnen mit einem typischen Einfamilienhaus (150m², 20.000 kWh Wärmebedarf) und aktuellen Energiepreisen 2026: Wärmepumpenstrom 27 Ct/kWh, Gas 13 Ct/kWh (inkl. Grundgebühr), Heizöl 1,20€/Liter. Der CO₂-Preis liegt bei 55-65€/t.
| Heizungstyp | Energieverbrauch | Energiekosten | CO₂-Abgabe | Wartung | Gesamt/Jahr |
|---|---|---|---|---|---|
| Wärmepumpe (JAZ 4,0) | 5.000 kWh Strom | 1.350€ | - | 200€ | 1.550€ |
| Wärmepumpe (JAZ 3,5) | 5.715 kWh Strom | 1.540€ | - | 200€ | 1.740€ |
| Gasheizung (Brennwert) | 20.000 kWh Gas | 2.400€ | 310€ | 200€ | 2.910€ |
| Ölheizung | 2.000 Liter | 2.400€ | 414€ | 250€ | 3.064€ |
Die Ersparnis beträgt je nach Ausgangslage 1.000-1.500€ pro Jahr. Über die typische Lebensdauer einer Wärmepumpe von 20 Jahren summiert sich das auf 20.000-30.000€ - mehr als die Investition nach Förderung.
Warum Gas und Öl immer teurer werden
Der CO₂-Preis steigt planmäßig weiter an. 2025 liegt er bei 55€/t, für 2026 ist ein Korridor von 55-65€/t festgelegt. Das bedeutet etwa 17 Ct Aufschlag pro Liter Heizöl und 1,5 Ct pro kWh Gas - Tendenz steigend. Die Wärmepumpe ist von der CO₂-Abgabe nicht betroffen.
Hinzu kommen die allgemeinen Preisschwankungen bei fossilen Brennstoffen. Die Gaspreisexplosion 2022 hat gezeigt, wie schnell sich die Kosten verdoppeln können. Strom ist preislich stabiler und wird durch den Ausbau erneuerbarer Energien langfristig günstiger.
So senkst du den Stromverbrauch deiner Wärmepumpe
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe lässt sich durch verschiedene Maßnahmen optimieren. Manche sind kostenlos, andere erfordern kleine Investitionen - alle zahlen sich aus.
1. Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich
Die Vorlauftemperatur ist der größte Hebel für die Effizienz. Pro 1°C niedrigerer Vorlauftemperatur steigt die JAZ um etwa 2-4%. Wenn du von 55°C auf 45°C Vorlauf senkst (10 K weniger), sparst du 20-40% Strom.
Praxistipp: Stelle die Heizkurve so ein, dass es gerade warm genug wird. Lieber nach unten korrigieren und beobachten als mit zu hoher Vorlauftemperatur Strom verschwenden.
2. Hydraulischer Abgleich
Ein korrekt abgeglichenes Heizsystem verteilt die Wärme gleichmäßig. Ohne Abgleich werden manche Räume überheizt, während andere zu kühl bleiben. Um das zu kompensieren, wird die Vorlauftemperatur erhöht - ineffizient. Der Abgleich kostet 650-1.000€ und ist bei Wärmepumpen-Installation ohnehin Pflicht.
3. Nachtabsenkung richtig nutzen
Anders als bei Gas- oder Ölheizungen sollte die Nachtabsenkung bei Wärmepumpen maßvoll sein. Maximal 2-3°C weniger in der Nacht. Der Grund: Das morgendliche Aufheizen erfordert hohe Leistung und hohe Vorlauftemperaturen - beides senkt die Effizienz.
Besser ist ein gleichmäßiger Betrieb mit leicht reduzierter Nachttemperatur. Moderne Wärmepumpen haben smarte Steuerungen, die das automatisch optimieren.
4. PV-Anlage ergänzen
Eine Photovoltaik-Anlage produziert im Jahresmittel Strom für etwa 8-10 Ct/kWh (Gestehungskosten). Jede Kilowattstunde Solarstrom, die direkt in die Wärmepumpe fließt, spart 17-19 Ct gegenüber Netzbezug. Mit einem Batteriespeicher oder smarter Steuerung lässt sich der Eigenverbrauch optimieren.
Besonders clever: Die Wärmepumpe kann überschüssigen Solarstrom als Wärme im Pufferspeicher speichern. So wird das Haus zum Energiespeicher.
5. Wärmepumpen-Stromtarif nutzen
Viele Energieversorger bieten spezielle Wärmepumpentarife an, die 10-15% günstiger sind als normale Haushaltstarife. Voraussetzung ist meist ein separater Stromzähler für die Wärmepumpe. Die Kosten für den Zähler (einmalig 100-200€) amortisieren sich schnell.
| Spartipp | Einsparung | Aufwand |
|---|---|---|
| Vorlauftemperatur optimieren | 10-30% | Kostenlos, Einstellung anpassen |
| Hydraulischer Abgleich | 5-15% | 650-1.000€, einmalig |
| Wärmepumpentarif | 10-15% | Separater Zähler nötig |
| PV-Anlage (Eigenverbrauch) | 20-40% | Investition, aber gefördert |
| Smarte Steuerung | 5-10% | Meist im Gerät integriert |
Stromverbrauch im Jahresverlauf
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe schwankt stark mit den Jahreszeiten. Im Winter, wenn geheizt werden muss, ist er am höchsten. Im Sommer läuft die Wärmepumpe nur für Warmwasser und verbraucht minimal.
Typische Verteilung für ein Einfamilienhaus mit 5.000 kWh Jahresverbrauch: Januar-Februar je 800-1.000 kWh, März und November je 500-600 kWh, April und Oktober je 300-400 kWh, Mai-September je 100-150 kWh (nur Warmwasser), Dezember 700-900 kWh.
Diese Verteilung ist wichtig für die Kombination mit einer PV-Anlage: Im Sommer, wenn die PV am meisten liefert, braucht die Wärmepumpe am wenigsten. Im Winter ist es umgekehrt. Dennoch lohnt sich die Kombination, da die Übergangszeit (Frühjahr/Herbst) gut abgedeckt wird.
Fazit: Niedrigere Heizkosten trotz Stromverbrauch
Eine Wärmepumpe verbraucht Strom - aber sie macht aus diesem Strom das Drei- bis Fünffache an Wärme. Deshalb sind die Heizkosten trotz des Stromverbrauchs deutlich niedriger als bei Gas oder Öl. Mit typischen Stromkosten von 1.100-1.800€ pro Jahr sparst du 1.000€ und mehr gegenüber fossilen Heizungen.
Mit den richtigen Optimierungen - niedrige Vorlauftemperatur, hydraulischer Abgleich, Wärmepumpentarif und optional PV-Anlage - lässt sich der Verbrauch weiter senken. Die Wärmepumpe ist nicht nur die umweltfreundlichste, sondern auch die wirtschaftlichste Heizung für die Zukunft.

Geschrieben von
Elias MorgenfelderHeizungsbaumeister & Wärmepumpen-Spezialist • über 12 Jahre Erfahrung
Heizungsbaumeister mit über 12 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Installation. Spezialist für Wärmepumpen im Altbau und Förderberatung in NRW.

