Der Kauf einer Wärmepumpe ist eine der wichtigsten Entscheidungen für dein Zuhause - und eine Investition, die sich über 20 Jahre und mehr auszahlt. Mit der aktuellen Förderung von bis zu 70% und steigenden Öl- und Gaspreisen ist der Umstieg so attraktiv wie nie. Doch zwischen Luft-Wasser, Sole-Wasser, verschiedenen Herstellern und technischen Kennzahlen kann man schnell den Überblick verlieren. In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du alles, was du vor dem Kauf wissen musst - von der Wahl des richtigen Typs bis zur optimalen Dimensionierung.
Das Wichtigste in Kürze
- Luft-Wasser-Wärmepumpen sind am günstigsten (15.000-27.500€) und für etwa 80% aller Häuser die richtige Wahl
- Sole-Wasser-Wärmepumpen sind effizienter (JAZ 4,0-5,0), aber teurer (20.000-42.500€ inkl. Bohrung)
- Mit der KfW-Förderung (bis 70%) sinken die Kosten auf 5.000-12.000€ Eigenanteil
- Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sollte mindestens 3,0 betragen - gute Geräte erreichen 3,5-4,5
- Inverter-Technologie und das Kältemittel R290 (Propan) sind zukunftssicher und bringen 5% Extra-Förderung
- Eine professionelle Heizlastberechnung ist Pflicht - Überdimensionierung schadet der Effizienz
Welcher Wärmepumpen-Typ passt zu deinem Haus?
Die Wahl des richtigen Wärmepumpen-Typs hängt von mehreren Faktoren ab: deinem Grundstück, deinem Budget, dem Wärmebedarf deines Hauses und deinen Effizienzansprüchen. Grundsätzlich gibt es drei Haupttypen, die sich in ihrer Wärmequelle unterscheiden.
Luft-Wasser-Wärmepumpen: Der Allrounder
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme - selbst bei Minusgraden. Sie ist der mit Abstand beliebteste Typ in Deutschland, da sie ohne aufwendige Erdarbeiten auskommt und schnell installiert werden kann. Moderne Geräte arbeiten zuverlässig bis -20°C und erreichen Jahresarbeitszahlen von 3,0 bis 4,5.
Der größte Vorteil: Die Installationskosten sind deutlich niedriger als bei Erdwärme-Systemen. Eine komplette Luft-Wasser-Anlage kostet zwischen 15.000 und 27.500€ inklusive Installation. Der Nachteil: Die Effizienz schwankt mit der Außentemperatur - an sehr kalten Tagen sinkt der COP auf 2,5-3,0.
Sole-Wasser-Wärmepumpen: Maximum an Effizienz
Sole-Wasser-Wärmepumpen nutzen die konstante Temperatur des Erdreichs (etwa 10°C in 10m Tiefe). Da diese Temperatur ganzjährig stabil ist, erreichen Erdwärmepumpen die höchsten Jahresarbeitszahlen von 4,0 bis 5,0. Das bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4-5 kWh Wärme.
Es gibt zwei Varianten: Erdsonden (vertikale Bohrungen bis 100m) und Flächenkollektoren (horizontale Verlegung in 1-1,5m Tiefe). Erdsonden benötigen wenig Platz, sind aber teurer (Bohrkosten 50-100€ pro Meter). Flächenkollektoren brauchen etwa 1,5-3 mal so viel Fläche wie die zu beheizende Wohnfläche.
Wasser-Wasser-Wärmepumpen: Höchste Effizienz
Wasser-Wasser-Wärmepumpen nutzen Grundwasser als Wärmequelle und erreichen die höchsten COP-Werte (4,5-5,5). Sie sind allerdings nicht überall möglich - du brauchst einen Brunnen und die entsprechende Genehmigung. Die Kosten für Brunnenbohrung und Genehmigung liegen bei 5.500-15.000€ zusätzlich.
| Typ | Kosten (inkl. Installation) | JAZ | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Luft-Wasser | 15.000-27.500€ | 3,0-4,5 | Die meisten Häuser, schnelle Installation, kein Garten-Eingriff |
| Sole-Wasser (Erdsonde) | 20.000-42.500€ | 4,0-5,0 | Hoher Wärmebedarf, maximale Effizienz gewünscht |
| Sole-Wasser (Kollektor) | 18.000-35.000€ | 4,0-4,8 | Große Grundstücke, günstiger als Erdsonde |
| Wasser-Wasser | 19.500-43.000€ | 4,5-5,5 | Grundwasser vorhanden, maximale Effizienz |
Für die meisten Einfamilienhäuser ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe die beste Wahl: Niedrigere Investitionskosten, keine Erdarbeiten, und moderne Geräte erreichen auch hier JAZ-Werte über 4,0. Sole-Wasser lohnt sich vor allem bei hohem Wärmebedarf (über 20.000 kWh/Jahr) oder wenn du maximale Effizienz willst.
Die wichtigsten Kaufkriterien im Detail
1. Leistung und Dimensionierung - Das A und O
Die richtige Dimensionierung ist der wichtigste Faktor für eine effiziente Wärmepumpe. Eine zu große Wärmepumpe taktet ständig (schaltet sich häufig ein und aus), was die Effizienz drastisch senkt und den Verschleiß erhöht. Eine zu kleine Wärmepumpe schafft es an kalten Tagen nicht, das Haus warm zu halten.
Die Basis ist eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Diese berücksichtigt die Gebäudehülle, Dämmung, Fenster, Ausrichtung und den Standort. Für ein typisches Einfamilienhaus mit 150m² liegt die Heizlast je nach Dämmstandard zwischen 6 und 15 kW.
| Gebäudetyp | Typische Heizlast | Empfohlene WP-Leistung |
|---|---|---|
| Neubau (KfW 55) | 40-55 W/m² | 6-8 kW |
| Sanierter Altbau (nach 1990) | 50-70 W/m² | 8-10 kW |
| Teilsanierter Altbau (1970-1990) | 70-95 W/m² | 10-14 kW |
| Unsanierter Altbau (vor 1970) | 95-120 W/m² | 14-18 kW |
Stiftung Warentest warnt: Nicht überdimensionieren! Eine 12-kW-Wärmepumpe für ein 8-kW-Haus ist nicht besser, sondern schlechter. Sie taktet häufiger, verschleißt schneller und arbeitet ineffizienter. Lass dir immer eine Heizlastberechnung erstellen.
2. Jahresarbeitszahl (JAZ) - Die Effizienz-Kennzahl
Die JAZ zeigt, wie effizient die Wärmepumpe im realen Betrieb über ein ganzes Jahr arbeitet. Eine JAZ von 4,0 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme. Je höher die JAZ, desto niedriger deine Stromkosten.
Für die KfW-Förderung ist eine JAZ von mindestens 3,0 erforderlich. Gute Luft-Wasser-Geräte erreichen heute 3,5-4,5, Sole-Wasser-Geräte 4,0-5,0. Die Fraunhofer-Feldstudien zeigen: Selbst in Altbauten erreichen Wärmepumpen durchschnittlich eine JAZ von 3,4.
Wichtig zu verstehen: Die JAZ hängt stark von der Vorlauftemperatur ab. Pro 1°C höherer Vorlauftemperatur sinkt die JAZ um etwa 2-4%. Deshalb ist eine Wärmepumpe mit Fußbodenheizung (35°C Vorlauf) effizienter als mit alten Heizkörpern (55°C Vorlauf).
3. Kältemittel: R290 (Propan) ist die Zukunft
Das Kältemittel ist der Stoff, der im Inneren der Wärmepumpe zirkuliert und die Wärme transportiert. Es beeinflusst die Effizienz, die maximal erreichbare Vorlauftemperatur und die Umweltverträglichkeit.
| Kältemittel | GWP (Treibhauspotenzial) | Vorlauftemperatur | Bewertung |
|---|---|---|---|
| R290 (Propan) | ca. 3 | bis 75°C | Zukunftssicher, +5% Förderbonus, ideal für Altbau |
| R32 | ca. 675 | bis 65°C | Noch akzeptabel, wird langfristig ersetzt |
| R410A | über 2000 | bis 60°C | Veraltet, nicht mehr kaufen |
R290 (Propan) hat mit einem GWP von nur 3 das geringste Treibhauspotenzial und ermöglicht höhere Vorlauftemperaturen bis 75°C - ideal für Altbauten mit alten Heizkörpern. Außerdem gibt es 5% Effizienzbonus bei der KfW-Förderung. Der einzige Nachteil: Propan ist leicht brennbar, weshalb R290-Geräte meist als Monoblock (komplett außen) ausgeführt werden.
4. Inverter-Technologie: Standard bei modernen Geräten
Moderne Wärmepumpen sind invertergesteuert - der Kompressor passt seine Drehzahl stufenlos an den aktuellen Wärmebedarf an. Das bedeutet: Im Teillastbetrieb (der Normalfall) läuft die Wärmepumpe mit reduzierter Leistung, aber höherer Effizienz.
Die Vorteile der Inverter-Technologie sind enorm: Höhere Effizienz durch optimalen Betriebspunkt, weniger Verschleiß durch sanftes An- und Abfahren, leiserer Betrieb im Teillastbereich und gleichmäßigere Raumtemperaturen. Achte darauf, dass dein Gerät Inverter-Technologie hat - bei Premium-Herstellern ist das Standard.
5. Schallpegel: Wichtiger als du denkst
Die Lautstärke einer Luft-Wärmepumpe ist ein häufig unterschätztes Thema. Am Gerät selbst werden 50-65 dB(A) gemessen, in 3 Metern Abstand sinkt das auf etwa 40-45 dB(A) - vergleichbar mit einem Kühlschrank. Das klingt harmlos, kann aber nachts störend sein.
Ab 2026 gilt: Die KfW fördert nur noch Luft-Wärmepumpen, deren Schallpegel mindestens 10 dB unter dem EU-Grenzwert liegt. Das ist gut so - es zwingt Hersteller zu leiseren Geräten und vermeidet Nachbarschaftsstreit. Achte auf Werte unter 50 dB(A) am Gerät und plane den Aufstellort sorgfältig.
Was kostet eine Wärmepumpe wirklich?
Die Gesamtkosten einer Wärmepumpe setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen: dem Gerät selbst, der Installation, eventuellen Erdarbeiten und Nebenkosten wie dem hydraulischen Abgleich. Eine Analyse der Verbraucherzentrale RLP mit 160 realen Angeboten ergab Kosten zwischen 20.000 und 63.000€, mit einem Median von etwa 36.300€.
| Kostenposition | Luft-Wasser | Sole-Wasser (Erdsonde) |
|---|---|---|
| Wärmepumpe (Gerät) | 12.000-20.000€ | 12.000-20.000€ |
| Installation & Zubehör | 3.000-7.500€ | 3.500-7.500€ |
| Erschließung (Bohrung/Kollektor) | - | 4.500-15.000€ |
| Hydraulischer Abgleich | 650-1.000€ | 650-1.000€ |
| Elektroanschluss (Drehstrom) | 500-1.500€ | 500-1.500€ |
| Gesamt brutto | 16.000-30.000€ | 21.000-45.000€ |
| Nach 70% Förderung | 4.800-9.000€ | 6.300-13.500€ |
KfW-Förderung 2026: Bis zu 70% zurück
Die staatliche Förderung macht den Umstieg auf eine Wärmepumpe so attraktiv wie nie. Über das KfW-Programm 458 erhältst du bis zu 70% der förderfähigen Kosten als Zuschuss - maximal 21.000€ bei einem Einfamilienhaus (70% von max. 30.000€ förderfähigen Kosten).
- 30% Grundförderung für alle selbstnutzenden Eigentümer
- +20% Klimageschwindigkeitsbonus beim Austausch einer funktionsfähigen Öl-, Gas- oder Kohleheizung
- +30% Einkommensbonus bei Haushaltseinkommen unter 40.000€/Jahr
- +5% Effizienzbonus für R290-Kältemittel oder Erdwärme-Wärmepumpen
- Maximum: 70% (alle Boni zusammen werden gedeckelt)
Wichtig: Der Förderantrag muss VOR Auftragsvergabe gestellt werden! Schließe mit dem Installateur einen Vertrag mit aufschiebender Bedingung ab - der Vertrag gilt nur bei Förderzusage. Nach der Zusage hast du 36 Monate Zeit für die Umsetzung.
Checkliste: So findest du die richtige Wärmepumpe
- Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 vom Fachbetrieb erstellen lassen
- Wärmepumpen-Typ wählen: Luft-Wasser für die meisten Fälle, Sole-Wasser bei hohem Bedarf
- Auf JAZ achten: Mindestens 3,0, besser 3,5 oder höher
- Kältemittel R290 bevorzugen: Zukunftssicher und 5% Extra-Förderung
- Inverter-Technologie sicherstellen
- Schallpegel prüfen: Unter 50 dB(A) am Gerät für Förderung ab 2026
- Mindestens 3 Angebote einholen und vergleichen
- Förderantrag VOR Auftragsvergabe stellen
- Referenzen des Installateurs prüfen - die Installation ist genauso wichtig wie das Gerät
Fazit: Die richtige Wärmepumpe für dein Haus
Die Wärmepumpe ist keine Einheitslösung - aber für fast jedes Haus gibt es das passende System. Für die meisten Einfamilienhäuser empfehlen wir eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe mit R290-Kältemittel und Inverter-Technologie. Sie bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, ist schnell installiert und erreicht mit aktueller Technik auch in Altbauten gute Effizienzwerte.
Mit der aktuellen Förderung von bis zu 70% sinkt der Eigenanteil auf 5.000-12.000€. Bei einer jährlichen Ersparnis von 1.000-1.500€ gegenüber Gas oder Öl hat sich die Investition nach wenigen Jahren amortisiert - und du heizt klimafreundlich für die nächsten 20 Jahre.

Geschrieben von
Elias MorgenfelderHeizungsbaumeister & Wärmepumpen-Spezialist • über 12 Jahre Erfahrung
Heizungsbaumeister mit über 12 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Installation. Spezialist für Wärmepumpen im Altbau und Förderberatung in NRW.

