Wärmepumpe im Altbau: Voraussetzungen, Kosten und Erfahrungen
Altbau & Sanierung10 min

Wärmepumpe im Altbau: Voraussetzungen, Kosten und Erfahrungen

Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau? Ja! Erfahre, welche Voraussetzungen nötig sind, was der Umstieg kostet und was echte Nutzer berichten.

Elias Morgenfelder
Elias Morgenfelder
20. Januar 2026

Wärmepumpen funktionieren nur im Neubau mit Fußbodenheizung - dieses Vorurteil hält sich hartnäckig, ist aber längst überholt. Aktuelle Studien und Umfragen zeigen das Gegenteil: Fast 90% der Altbau-Besitzer mit Wärmepumpe sind zufrieden oder sehr zufrieden. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen Vorlauftemperaturen bis 75°C und heizen auch Häuser mit alten Heizkörpern effizient. In diesem Ratgeber erfährst du, unter welchen Voraussetzungen eine Wärmepumpe im Altbau sinnvoll ist, was sie kostet und welche Erfahrungen andere Hausbesitzer gemacht haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen 65-75°C Vorlauftemperatur - auch für alte Heizkörper geeignet
  • Fraunhofer-Studie: Durchschnittliche JAZ von 3,4 auch in Altbauten - das Vorurteil der Ineffizienz ist widerlegt
  • 55% der Altbau-Umsteiger brauchten keine größeren Sanierungsmaßnahmen vor der Installation
  • 90% Zufriedenheit laut Civey-Umfrage (März 2025) unter über 1.500 Eigenheimbesitzern
  • Förderung bis 70% macht den Umstieg besonders attraktiv - Eigenanteil oft nur 5.000-12.000€
  • Der hydraulische Abgleich ist Pflicht und verbessert die Effizienz deutlich

Warum das Vorurteil falsch ist

Das Vorurteil stammt aus einer Zeit, als Wärmepumpen noch Vorlauftemperaturen von maximal 55°C erreichten. Für einen unsanierten Altbau mit alten Guss-Heizkörpern war das tatsächlich zu wenig. Doch die Technik hat sich enorm weiterentwickelt.

Aktuelle Hochtemperatur-Wärmepumpen mit dem natürlichen Kältemittel R290 (Propan) erreichen Vorlauftemperaturen von 65-75°C. Das reicht selbst für Häuser, die bisher mit 70°C Vorlauf geheizt wurden. Gleichzeitig haben sich die Effizienzwerte verbessert: Selbst bei hohen Vorlauftemperaturen erreichen moderne Geräte noch respektable JAZ-Werte von 2,8-3,5.

Die Fraunhofer-Studie zeigt: Auch in Bestandsgebäuden erreichen Wärmepumpen eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,4 - selbst ohne Vollsanierung. Das Vorurteil der Altbau-Untauglichkeit ist wissenschaftlich widerlegt.

Fraunhofer ISE Feldtest, 2024

Voraussetzungen für die Wärmepumpe im Altbau

1. Heizlast und Dämmstandard einschätzen

Die Heizlast beschreibt, wie viel Wärme dein Haus bei der kältesten Außentemperatur des Jahres (Auslegungstemperatur, in NRW etwa -12°C) benötigt. Je besser gedämmt, desto niedriger die Heizlast - und desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe.

Eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist die Basis für jede Wärmepumpen-Planung. Doch du kannst vorab grob einschätzen, wo dein Haus steht:

BaujahrTypische HeizlastTypischer HeizwärmebedarfWP-Eignung
Vor 1970 (unsaniert)95-120 W/m²150-200 kWh/m²aMit Hochtemperatur-WP oder nach Teilsanierung
1970-199070-95 W/m²100-150 kWh/m²aGut geeignet, ggf. einzelne Heizkörper tauschen
1990-200550-70 W/m²70-100 kWh/m²aSehr gut geeignet
Nach 2005 (EnEV)40-55 W/m²50-70 kWh/m²aOptimal geeignet

Wichtig: Diese Werte sind Richtwerte. Viele Altbauten wurden über die Jahre teilsaniert - neue Fenster, Dachdämmung, Kellerdeckendämmung. Dadurch kann ein 1965er-Bau heute deutlich besser dastehen als ein unsaniertes 1985er-Haus.

Der 55°C-Test: Stelle an einem kalten Wintertag (unter 0°C) die Vorlauftemperatur deiner bestehenden Heizung auf maximal 55°C. Wenn alle Räume nach einigen Stunden warm werden, ist dein Haus für eine Standard-Wärmepumpe geeignet. Die meisten Altbauten bestehen diesen Test!

2. Heizkörper prüfen: Reicht die Fläche?

Ein häufiges Missverständnis: Wärmepumpen brauchen Fußbodenheizung. Das stimmt nicht - sie brauchen ausreichend Heizfläche. Entscheidend ist, ob die vorhandenen Heizkörper genug Wärme abgeben können, wenn sie mit niedrigerer Vorlauftemperatur betrieben werden.

Die Wärmeabgabe eines Heizkörpers hängt von seiner Größe und der Temperaturdifferenz zur Raumluft ab. Wird die Vorlauftemperatur von 70°C auf 55°C gesenkt, sinkt die Wärmeleistung um etwa 30-40%. Das bedeutet: Der Heizkörper muss entsprechend größer sein oder durch ein größeres Modell ersetzt werden.

In der Praxis zeigt sich: In vielen Altbauten wurden die Heizkörper großzügig dimensioniert - oft mit Reserven von 20-30%. Außerdem wurden viele Häuser nachträglich gedämmt, sodass der Wärmebedarf gesunken ist. Beides arbeitet dir in die Hände.

3. Hydraulischer Abgleich: Pflicht und Effizienz-Booster

Der hydraulische Abgleich ist bei der Nachrüstung einer Wärmepumpe gesetzlich vorgeschrieben (GEG §72) und Fördervoraussetzung. Dabei wird die Wassermenge an jedem Heizkörper so eingestellt, dass alle Räume gleichmäßig warm werden.

In nicht abgeglichenen Systemen bekommen die Heizkörper nah an der Pumpe zu viel Wasser, die entfernten zu wenig. Das Ergebnis: Einige Räume werden überheizt, andere bleiben kalt. Um das zu kompensieren, wird die Vorlauftemperatur hochgedreht - was die Effizienz der Wärmepumpe senkt.

Nach dem hydraulischen Abgleich läuft das System gleichmäßig und kann mit niedrigerer Vorlauftemperatur betrieben werden. Die Kosten liegen bei etwa 650-1.000€ für ein Einfamilienhaus - eine Investition, die sich durch die Effizienzsteigerung schnell rechnet.

4. Elektrischer Anschluss

Die meisten Wärmepumpen benötigen einen Drehstrom-Anschluss (400V, 3-phasig). In vielen Altbauten ist dieser bereits vorhanden (z.B. für den Elektroherd). Falls nicht, muss ein Elektriker den Hausanschluss erweitern. Die Kosten dafür liegen zwischen 500 und 1.500€, je nach Aufwand.

Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?

Die Kosten für eine Wärmepumpe im Altbau sind tendenziell etwas höher als im Neubau, da oft Anpassungen nötig sind. Allerdings werden diese Mehrkosten durch die hohe Förderung mehr als ausgeglichen.

KostenpositionTypische KostenAnmerkung
Wärmepumpe + Installation15.000-35.000€Je nach Typ und Leistung
Hydraulischer Abgleich650-1.000€Pflicht, förderfähig
Heizkörpertausch (2-4 Stück)1.000-3.000€Nur wenn nötig
Elektroanschluss (Drehstrom)500-1.500€Falls nicht vorhanden
Demontage Altanlage500-1.500€Öltank-Entsorgung extra
Gesamt brutto18.000-42.000€Typisch: 25.000-35.000€
Nach 70% Förderung5.400-12.600€Eigenanteil

Die große Spanne erklärt sich durch unterschiedliche Ausgangssituationen: Ein gut gedämmtes 70er-Jahre-Haus mit passenden Heizkörpern braucht nur die Wärmepumpe selbst. Ein unsanierter Vorkriegsbau benötigt eventuell größere Heizkörper, bessere Dämmung und eine leistungsstärkere Wärmepumpe.

Erfahrungen aus der Praxis: Was sagen Altbau-Besitzer?

Die vielleicht wichtigste Frage: Wie zufrieden sind Menschen, die den Schritt bereits gewagt haben? Eine repräsentative Civey-Umfrage vom März 2025 unter über 1.500 Eigenheimbesitzern mit Wärmepumpe gibt klare Antworten.

  • Fast 90% sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Wärmepumpe
  • Über 80% würden die Technologie weiterempfehlen
  • 77% sagen, die Anschaffung hat sich finanziell gelohnt
  • 55% brauchten keine größeren Modernisierungsmaßnahmen vor der Installation

Besonders der letzte Punkt ist interessant: Mehr als die Hälfte der Umsteiger konnte die Wärmepumpe ohne große Umbaumaßnahmen installieren. Das widerlegt die Befürchtung, man müsse erst das ganze Haus sanieren.

Typische Anfangsprobleme und ihre Lösungen

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. In der Eingewöhnungsphase berichten Nutzer von einigen typischen Herausforderungen:

  • Lautstärke: Manche Außengeräte sind lauter als erwartet. Lösung: Schallschutzhauben, günstigere Aufstellung oder Innenaufstellung der Wärmepumpe.
  • Heizkurve falsch eingestellt: Die Räume werden nicht richtig warm oder es wird zu viel geheizt. Lösung: Im ersten Winter die Heizkurve mit dem Installateur feinjustieren.
  • Warmwasser zu kühl: Manche Wärmepumpen liefern anfangs nur 48-50°C für Warmwasser. Lösung: Legionellenschaltung aktivieren (1x wöchentlich auf 60°C) oder Hochtemperatur-Einstellung wählen.
  • Hoher Stromverbrauch am Anfang: Im ersten Winter oft 10-20% höher als erwartet. Lösung: Oft liegt es an suboptimaler Einstellung - nach Optimierung normalisiert sich der Verbrauch.

Plane für den ersten Winter etwas mehr Zeit ein, um die Wärmepumpe optimal einzustellen. Viele Installateure bieten einen Optimierungs-Termin nach der ersten Heizperiode an - nutze diesen unbedingt!

Wann ist eine Teilsanierung sinnvoll?

Auch wenn eine Wärmepumpe im Altbau grundsätzlich funktioniert, kann eine Teilsanierung die Effizienz deutlich verbessern und die Betriebskosten senken. Besonders sinnvoll sind Maßnahmen, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis optimieren.

Top 5 Sanierungsmaßnahmen nach Wirtschaftlichkeit

  • Kellerdeckendämmung (200-400€/10m², DIY möglich): Senkt den Wärmeverlust nach unten um 50-70%. Schnelle Amortisation.
  • Dachdämmung der obersten Geschossdecke (30-60€/m²): Bei unbeheiztem Dachboden sehr effektiv. Oft Pflicht nach GEG.
  • Fenstertausch (400-800€/Fenster): Alte Einfachverglasung oder undichte Rahmen sind massive Wärmeverlust-Quellen.
  • Einzelne Heizkörper vergrößern (200-500€/Stück): Gezielt in Räumen, die nicht warm genug werden.
  • Rollladenkästen dämmen (50-100€/Stück, DIY): Oft unterschätzte Wärmebrücken.

Eine Vollsanierung (Fassadendämmung, kompletter Fenstertausch, Dachdämmung) ist teuer und nicht immer nötig. Oft reichen gezielte Maßnahmen an den größten Schwachstellen, um die Heizlast um 20-30% zu senken und die Vorlauftemperatur zu reduzieren.

Rechenbeispiel: Altbau 1978, 150m²

Ein konkretes Beispiel: Ein freistehendes Einfamilienhaus von 1978 mit 150m² Wohnfläche. Nachträglich wurden die Fenster getauscht und das Dach gedämmt. Die alte Ölheizung hat etwa 2.500 Liter pro Jahr verbraucht.

PositionÖlheizung (bisher)Wärmepumpe (neu)
Energiekosten/Jahr2.500€ (Öl) + 400€ CO₂ca. 1.400€ (Strom)
Wartung/Jahr250€200€
Gesamt/Jahrca. 3.150€ca. 1.600€
Ersparnis/Jahr-ca. 1.550€

Die Investition: 28.000€ brutto für die Wärmepumpe. Nach 70% Förderung (Klimabonus wegen Öl-Austausch) bleiben 8.400€ Eigenanteil. Bei 1.550€ jährlicher Ersparnis hat sich die Investition nach etwa 5,5 Jahren amortisiert. Die restlichen 15+ Jahre Lebensdauer sind reiner Gewinn.

Fazit: Wärmepumpe im Altbau funktioniert

Die Zeiten, in denen Wärmepumpen nur für Neubauten taugten, sind vorbei. Mit modernen Hochtemperatur-Geräten, die Vorlauftemperaturen bis 75°C erreichen, funktioniert die Technologie auch in Altbauten zuverlässig und effizient. Die Fraunhofer-Feldstudien belegen: Auch ohne Vollsanierung erreichen Wärmepumpen im Bestand eine durchschnittliche JAZ von 3,4.

Mit der aktuellen Förderung von bis zu 70% und steigenden Öl- und Gaspreisen war der Umstieg noch nie so attraktiv. 90% Zufriedenheit unter den Umsteigern sprechen für sich. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind eine professionelle Planung, der hydraulische Abgleich und eine fachgerechte Installation.

Lass dich nicht von veralteten Vorurteilen abhalten. Hol dir Angebote von qualifizierten Fachbetrieben ein und prüfe, ob dein Altbau für eine Wärmepumpe geeignet ist. Die Chancen stehen gut, dass er es ist.

Elias Morgenfelder

Geschrieben von

Elias Morgenfelder

Heizungsbaumeister & Wärmepumpen-Spezialistüber 12 Jahre Erfahrung

Heizungsbaumeister mit über 12 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Installation. Spezialist für Wärmepumpen im Altbau und Förderberatung in NRW.

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